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fKHgs@lloeg50612026-02-09 10:57:332026-02-10 16:20:16Janz Franz AusstellungsverzeichnisStatements & Publikationen
Hermann Nitsch
Rede anlässlich der Ausstellungseröffnung von Janz Franz in der Galerie Zeitkunst, Kitzbühel am 8. 2. 1997
(Ich sah) Katarakte von wunderschönen Arbeiten
Gespeist aus Unendlichkeit und Abgrund
der intellekt, das ordnende wissenschaftliche denken von zahlen und zeichen, wurde in der geschichte des bewusstseins schon früh kritisiert als nur beschreibend von flüchtigen gegebenheiten und als zu wenig grundsätzlich erkannt. nicht wie die welt ist, ist das mystische, sondern dass sie ist. diese unsere ordentliche, geordnete welt hat viel fragwürdiges und verbirgt uns eine tiefere wirklichkeit. schon freud bezweifelte, ob es richtig ist, den geheilten neurotiker in unsere zweifelhafte gesellschaft zurückzuführen. kritik an der sogenannten wirklichkeit gab es von den verschiedensten ansätzen aus. selbst die sprache wurde als entscheidender tragender wirklichkeitsfaktor in frage gestellt. die sprache wurde als eine die eigentliche wirklichkeit verbergende tatsache angesehen.
die kunst bot immer im gewissen grad eine ausbruchsmöglichkeit aus erstarrten unschöpferischen lebensformen, sie bot immer einen aus uns sich herausarbeitenden entwurf einer tiefen wirklichkeit, eines tieferen seins. darüber hinaus, aber auch in der kunst zeigte sich ein merkwürdiges phänomen, auch hier gab es kunstwerke die anders waren als die anderen. ich denke an hölderin, nerval, den späten nietzsche, van gogh, munch, ensor, strindberg, kubin, den frühen kokoschka, auch an den frühen hundertwasser und an arnulf rainer kann man denken. van gogh war ein grenzgänger. er hatte nervenkrisen durchzustehen. während seiner malekstasen gewitterte eine psychose durch seinen organismus. da war die grenzenlose und kaum überbietbare virtuosität der klassischen impressionisten, die ich sehr sehr liebe. dem gegenüber stand aber die wucht, expressivität und wahrhaftigkeit eines van gogh. seine farben hatten eine leuchtkraft, die alles übertraf. die wirklichkeit einer anderen welt, einer wesentlicheren wirklicheren welt wurde gezeigt und verblüffte die damalige kunstwelt. in die kunst brach die wucht des andersartigen, abgründe und lichtwelten, die jenseits der gebrauchten ordnung lagen, wurden erkannt. bewusstseinszustände, die unserer geregelten ordnung nicht mehr entsprachen wurden durchlitten und erlebt.
schon in den zwanziger jahren begann man sich mit der kunst von andersartigen, von künstlern die dem psychotischen erleben nahestehen, zu beschäftigen. man suchte erfahrungen, die unser normalbewusstsein nicht bieten konnte. in den 50er jahren entwickelte sich in amerika eine gegenkultur die, angeregt durch drogenerlebnisse, wieder die mystik, asiatische philosophie und den mythos, das kollektive unbewusste aktivierte. etwas, das durch unsere verwissenschaftlichte und technisierte welt
verlorengegangen war, wurde wieder wesentlich und begann das leben zu bestimmen.
als janz franz bei mir in salzburg 1991 studierte, begriff ich sofort die eigenartigkeit seiner begabung, daran durfte man nichts zerstören, ihn musste man seinen eigenen weg gehen lassen, er wurde von wo anders, von den tiefen seines inneren bestimmt. ich sah katarakte von wunderschönen arbeiten aus ihm herausbrechen. er selbst gestaltete wahrhaftige, der welt entsprechende tiefe visionen von denen wir alle etwas zu lernen hatten. durch mein zurücktreten als lehrer wurde ich mehr als belohnt. er nahm, ohne dass ich ihn zwang, vieles von der gestischen spontanen expressiv abstrakten sprache der aktionsmalerei auf, ohne dass sein werk im geringsten darunter litt. im gegenteil, er wurde überschwänglicher, üppiger, noch chaotischer, noch abgründiger. es wurde jetzt auch geschmiert und geschüttet. er bietet sein kollektives unbewusstes dar, nachhaltiger als dies das bürgerliche korsett erlaubt, mythische, archetypische symbole dringen wie bei einem alchemistischen vorgang nach aussen. sein heftig erlebter exhibitionistischer dialog mit seiner innen- und aussenwelt tritt uns als gewaltiges drama entgegen. seine psyche fährt wie ein raumschiff durch das weltall, bewegt sich mit überlichtgeschwindigkeit im gewölke von milliarden galaxien. ich sehe ecce homohafte bekenntnisse und beschimpfungen, er durchmisst und lotet ewigkeit und endlichkeit aus, er begegnet christus und buddha ausser und in sich, apostrophiert die leere des nirwanas. janz franz ist nicht abgesichert und geborgen in dem krampf der zivilisation zwischen skifahren, profitgier und karibikurlaub. er ist geschützt nur durch eine dünne schicht, er ist hellhörig und hellsichtig, er ist extrem gefährdet, er ist ein gratwanderer, er kann leicht abstürzen in jene abgründe des unermesslichen, die er wollüstig schaut und fürchtet, andererseits durchlebt er glücksmomente die ihn stark und auch einsam machen. er erfährt die welt vielfach anders als der normalmensch. es ist da immer wieder sein zeichnen und kritzeln mit der feder, man könnte denken, er beschwört durch gestik das unbewusste, aber sein kratzbürstiger strich ist jenseits der dialektik zwischen bewusst und unbewusst. hier wird ein anderes unbewusstes zitiert, gemeint ist einfach die grenzenlose natur, die aus unendlichkeit und abgrund gespeist ist, offenbart sich jene natur, die unsere ist.
abschliessend möchte ich auf die hohe formale gediegenheit der arbeiten von janz franz hinweisen. ich würde mir wünschen, dass die sammler auch jenseits theoretischer erörterungen die hohe genialität dieser einzigartigen arbeiten zu schätzen wissen. janz franz ist ein extremer grenzgänger, der seine ausnahmeposition bewältigt und dadurch zum finder des seins und zum übermittler weit über dem klischee stehender wahrheiten wird.
Hermann Nitsch, Rede anlässlich der Ausstellungseröffnung von Janz Franz in der Galerie Zeitkunst, Kitzbühel am 8. 2. 1997
Otto Breicha
Aus: Katalog “Janz Franz, Detl & Nutl”, Kulturhaus der Stadt Graz und Galerie Altnöder, Salzburg 1998
Damals in Graz
Der gebürtige Grazer Janz Franz hat in Graz für ihn entscheidende Jahre zugebracht. Er hat bis 1969 die damalige Grazer Subkultur miterlebt. Und ist entscheidend davon geprägt worden. Damals, in den sechziger Jahren, ist aus der vermeintlichen Pensionopolis zunächst untergründig (aber im weiteren deutlichst!) ein Nest der Unruhe und kreativen Virulenz geworden. Das bekundete augenfällig die Gründung des Forum Stadtpark, in dem das zusammenrückte, was ein alternatives Lebensgefühl bekundete. Viel Begeisterung war mit dabei, Appetit am Neuartigen, Empfindung für Erfinderisches. Der „steirische herbst“ etablierte sich als ein ausgesprochenes Avantgarde-Festival, aus Um- und Zuständen heraus, die solches nicht hätten erwarten lassen. Was auch immer gegen ihn wetterte, nahm der sogenannte Untergrund zunehmend überhand. Unmögliches wurde möglich.
Es war (zumal für die Jungen und Jüngeren) ein Klima des Aufbruchs, von dem man sich viel erhoffte, weil nichts zu verlieren war. Janz Franz ist inmitten dieser Spannungen auf- und herangewachsen. Er wurde von dem, was er damals erlebte, geprägt und im weiteren wesentlich mitbestimmt.
Damals in Graz hat er selber noch nicht gemalt und gezeichnet, aber ist inmitten von alledem, was damals entstand, „vorgekommen“. Das Theatercafé in der Mandellstraße war dafür ein nächtliches Sammelbecken wie andere Grazer In-Lokale auf ihre andere Weise. Der aus Kärnten herbeigezogene Peter Handke begann gerade ein Jus-Studium an der Grazer Universität, verfasste längere und kürzere Texte und zuletzt seine „Publikumsbeschimpfung“. Ebenso ein Gerhard Roth. Mancher wurde mit manchem bekannt. Von überall her wurden Anregungen ventiliert und beherzigt. Zwei Namen für viele: Wolfgang Bauer und Gunter Falk. Man lebte und schrieb dahin ohne die Erwartungen, damit bald einmal „Erfolg“ zu haben.
Vor allem ist aus den frühen Stücken Wolfgang Bauers auch heute noch gut zu ermitteln, wie es in etwa damals zugegangen ist. Seine sogenannten „Mikro-Dramen“ machten sich hämisch über etabliertes Theater lustig. Bauers „Party for six“, „Magic afternoon“ und „Change“ waren (nicht nur auch) Milieustudien, wie man damals empfunden hat und miteinander umgegangen ist. Dem im Grunde depressiven geistigen Fluidum begegnete man übermütig. Die von Bauer und Falk gemeinsam propagierte „Happy Art and Attitude“ war eine solche Initiative, die zwar nichts groß bewirkte, aber beträchtlich für ein bestimmtes Lebensgefühl einsteht.Einerseits gab es die gewissen intellektuellen Zirkel, zum anderen war aber auch das Banale und Versumpfte neben und unter der Grazer Gutbürgerlichkeit nicht schlecht attraktiv. Jeder ein Überlebenskünstler auf seine Art, reagierte man am liebsten naseweis locker und selbstbewusst.
Im kunterbunten Fleckerlteppich der damaligen Erzindividualisten und Kuriositäten gab es auch den Berufsschüler und Bundesheer-Rekruten Janz Franz, ehe er, auf seine Weise flügge geworden, sodann nach anderswo ausschwärmte.Vom damaligen Lebensgefühl zehrt er auch heute noch. Er bevölkert seine Bilder mit Figuren, wie sie ihn in der Grazer Unbürgerlichkeit beeindruckt hatten. Detl und Nutl hätten ohne weiteres in die Grazer Halbwelt der sechziger Jahre gepaßt. Er empfindet diese Imaginationen seiner merkwürdigen Vorstellungskraft als figürliche Spiegelungen seiner selbst, in denen er sich selber begegnet. Und ist also das von seinerzeit nicht losgeworden, auch wenn ihn Späteres (z. B. die wilde Malerei der achtziger Jahre) bestärkt und bestätigt hat. Wobei ihm gelungen ist, das mit Bildwerken zu veranschaulichen, was und wie er sich selber erlebt.
Also aus einer gewissen persönlichen Wahrhaftigkeit heraus, die darin besteht, auf alle Fälle nicht anders sein zu wollen, als wie er sich selber vorkommt. Nämlich als einer, den der damalige Grazer Untergrund ermächtigt hat, auch heutzutage noch inmitten allseits bedrohlicher Indifferenz so zu bleiben, wie das seine Bilder bezeugen.
Statements
Günther Moschig, Kunsthistoriker
Die Malerei bedeutet für Janz Franz immer, die Beziehung zum Ich zu klären. Die Bilder sind ihm deshalb magische Objekte, Malen ein spirituelles Ritual.
Hermann Nitsch, Künstler
ich sah katarakte von wunderschönen arbeiten aus ihm herausbrechen. er selbst gestaltete wahrhaftige, der welt entsprechende tiefe visionen von denen wir alle etwas zu lernen hatten…
janz franz ist ein extremer grenzgänger, der seine ausnahmeposition bewältigt und dadurch zum finder des seins und zum übermittler weit über dem klischee stehender wahrheiten wird.
Roberto Peccolo, Galerist
Ich muss ehrlich zugeben, dass mich die expressive Kraft und primitive Brutalität dieser Bilder wie ein Blitz traf.
Laurie Anderson, Popikone
Dear Janz Franz […] Thank you for making such fantastic and beautiful words & pictures.
Your friend Laurie Anderson
Otto Breicha, Museumsdirektor
Wobei ihm gelungen ist, das mit Bildwerken zu veranschaulichen, was und wie er sich selber erlebt. Also aus einer gewissen persönlichen Wahrhaftigkeit heraus, die darin besteht, auf alle Fälle nicht anders sein zu wollen, als wie er sich selber vorkommt.
Nikolaus Schaffer, Museumskurator
Die Kunstausübung war für Janz Franz eng mit animistischen Vorstellungen verknüpft. Er trug einen Dauerkampf mit Dämonen und Wichteln aus, die wohl innere Konflikte verkörperten und von denen er sich in kräfteraubenden Malakten befreite. Mit jedem Bild ließ er sich auf einen Kampf mit dem Dämon ein, bei dem er sein Äußerstes gab, jedes Bild beinhaltet einen Beschwörungsakt und übt eine Abwehrfunktion aus, ähnlich der der Gargoyles auf den Dächern der Kathedralen.
Ferdinand Altnöder, Galerist
Die Menschen werden dankbar sein für Ihre Ansagen und Erzählungen von der anderen Seite.
Publikationen Kataloge
Kataloge
Galerie Slavi (Hrsg.), JANZ FRANZ. Arbeiten auf Papier. Mit einem Text von Nikolaus Schaffer, Grödig 1991
Galerie Eboran (Hrsg.), JANZ. Hexen und Hunde. Mit einem Text von Wolfgang Graninger, Salzburg 1992
Zeitkunstgalerie Köln, Galleria Peccolo, Galerie Anton Meier (Hrsg.), JANZ FRANZ. Mit Texten von Hermann Nitsch, Enno Stahl und Marisa Vescovo, Köln – Livorno – Genf 1993
Galerie Altnöder (Hrsg.), JANZ FRANZ. Mit Texten von Hermann Nitsch und Mario Jandrokovic, Folder, Salzburg, um 1997
Kulturhaus der Stadt Graz, Galerie Altnöder (Hrsg.), JANZ FRANZ. Detl & Nutl. Mit Texten von Otto Breicha, Wolfgang Graninger, Hermann Nitsch und Wolfgang Richter, Graz – Salzburg 1998
Galerie Altnöder (Hrsg.), JANZ FRANZ. Detl & Nutl. Mit Texten von Otto Breicha, Wolfgang Graninger, Hermann Nitsch und Wolfgang Richter, Salzburg 1998, erweiterte Ausgabe des Grazer Kataloges
Alexandra Schüssler, Zum malerischen Werk von Janz Franz, in: Erich Ebner (Hrsg.), Janz Franz 1976 – 2001, Salzburg 2001, unpag,
Wichtige Texte
Tiroler Tageszeitung, Günther Moschig, Widerstreit, Harmonie, 15.4.1992
Vernissage, Ruth Auer, Janz Franz, 15. Jg., Nr. 1, Februar 1995, S. 24–25
Vernissage, Wolfgang Graninger, Fünfzig Jahre Janz Franz. Orkane im Triebbereich, 16. Jg., Nr.2, März 1996, S. 36–39
Salzburger Nachrichten (Wochenendbeilage), Wolfgang Richter, Das Bild findet statt. Der Salzburger Künstler Janz Franz, beobachtet bei einer Malaktion in seinem Atelier, 52. Jg., Nr. 93, 20. April 1996, S. II
Noëma. Art journal, Mario Jandrokovic, Ausstellungsbesprechung Janz Franz Galerie Altnöder, Salzburg, Nr. 42, August-September-Oktober 1996, S. 126–127
Vernissage, Wolfgang Graninger, Janz Franz. Das ist äußerst barbarisch, Herr Janz!, 18. Jg, Nr. 1, Februar 1998, S. 36–39
Asfalter, Die Straßenzeitung der Stadt Salzburg, Andreas Kuntner. „Ich bin ein Grenzgänger. Janz Franz, der Maler von Hexen, Huren und Dämonen, Nr. 7, August 1998, S.13
Vernissage, JANZ FRANZ, Ausschnitte aus einem Interview geführt von Erich Ebner und Eva Kreuzhuber, 21. Jg., Nr. 207, September 2001, S. 12–17
Vernissage, Wolfgang Richter, Back to the Roots – das „zweite Werk“ des Janz Franz, 26. Jg., Nr. 255, Juni 2006, S. 61–63
Vernissage, Wolfgang Richter, Janz Franz, Bei Rot über den Zebrastreifen, 36. Jg., Nr. 326, Februar–April 2016, S. 56 ff.
Vernissage, Günther Moschig, Janz Franz (1946–2017) „Number One” und „Breakdown”. Zwei Ausstellungen in Krumau und Werfen, 43. Jg., Nr. 363, Juli–August 2023, S. 42–45
Die vollständigen Listen der Ausstellungen und Publikationen folgen in einer umfangreichen Monographie, die demnächst vom Universalmuseum Joaneum in Graz herausgegeben wird, erarbeitet von Roman Grabner.
Weitere Texte und Daten zum Künstler finden sich www.galerie-altnoeder.com/janz.html
Janz Franz in Galerien
Galerie-Altnoeder.com – Salzburg
Zeitkunstgalerie.at – Kitzbühel
Galeriesommer.com – Graz


Fotos © Karl Heinz Leitner
Fotos © Karl Heinz Leitner
Fotos © Andreas Lechner
© Archiv ESAC, Libor Sváček